Tonic Water – und ein bisschen Gin…

Verehrte Trinkende,

lasst uns über Tonic Water sprechen! Denn hey, der Gin & Tonic besteht im besten Fall immerhin aus 50% der bitteren Brause und da bin ich der Meinung, dass wir uns doch recht gut überlegen sollten welches Tonic Water wir unserem fein ausgewählten Gin zuführen! 

Natürlich habe ich mir im Dienste der Wissenschaft noch ein paar Testpersonen hinzu geholt, die sich widerwillig bereiterklärt haben diverse Sorten Tonic Water mit mir an einem lauen Abend zu testen. Ganz ohne Anreiz hat das allerdings nicht funktioniert und darum habe ich entsprechende Gin Sorten sicherheitshalber zur vorsichtigen Vermengung bereitgestellt. Nachdem wir also alle wieder einigermaßen zu uns gekommen sind, kann ich mich nun an die Auswertung machen, auch wenn die Leserlichkeit der Notizen aus unbestimmten Gründen im Zuge des Abends abgenommen hat.

Zunächst einmal zum Versuchsaufbau: Getestet wurde in freundschaftlicher Atmosphäre am Küchentisch bei diversen Gesellschaftsspielen. Zur Neutralisierung wurden Oliven und Nüsschen gereicht und musikalisch bewegten wir uns irgendwo zwischen entspanntem Techno und möglicherweise etwas altem aber extrem guten Hiphop. Getestet wurde querbeet und probieren beim Nachbarn war ausdrücklich erlaubt...die Bedingungen sollten schließlich so real wie möglich sein. Das Verhältnis Tonic zu Gin wurde konstant bei 60/40 gehalten und das Tonic wurde ausschließlich eiskalt serviert. "Warum, da ist doch Eis im Glas?" ... Absolut richtig! Aber lauwarmes Tonic und kalte Eiswürfel vertragen sich nunmal nicht so gut und sorgen dafür dass von der Kohlensäure im Tonic nicht mehr viel übrig bleibt. Also immer fleißig vorkühlen!

Nachdem das nun geklärt wäre, fangen mal mit der Aufarbeitung an:

Thomas Henry Tonic Water - Der Klassiker

Das Tonic Water von Thomas Henry gehört mittlerweile zu den Basisanforderungen einer jeden Bar und man muss sagen, für den Preis ist das Tonic Water auch absolut in Ordnung! Im Vergleich zu anderen Tonic Sorten ist der Klassiker von Thomas Henry aber auf Dauer etwas langweilig. Zitrusnoten, Bitterstoffe, Süße und Kohlensäure tun niemandem weh, hauen aber auch niemanden vom Hocker. Umso besser eignet sich das Tonic Water von Thomas Henry für Drinks abseits des Gin&Tonics, die eher fruchtig gehalten sind. Hier kann das Tonic Water gut unterstützen und drängt sich nicht in den Vordergrund.

Fentimans Tonic Water

Weiter geht's mit dem Tonic Water von Fentimans. Dazu muss ich erstmal sagen, dass ich bisher noch keinen Fehler mit einem Tonic oder einer Limo von Fentimans gemacht habe. Wie auch? Im Grunde ist doch der beste Move eine eisgekühlte Victorian- oder Rose Lemonade aus der Kühlung zu zücken, einen Schluck davon abtrinken und für die Sommersause mit einem guten Gin oder sogar Rum aufzugießen! Nun aber zurück zum klassischen Tonic. Das hat seine Stärken in seiner Vielseitigkeit, denn es veredelt im Grunde jeden Gin. Ob es jetzt ein eher klassischer Duke Gin ist, oder etwas würzigeres wie beispielsweise ein Hendriks Gin, das Fentimans Tonic Water macht daraus einen wirklich guten Drink! 

Wer den Gin aber voll und ganz im Vordergrund haben möchte, kann zum Light Tonic Water greifen. Dieses Tonic enthält grade einmal 5,3g Zucker auf 100ml. Sehr angenehm also für einen kräftigen oder floralen Gin, wie beispielsweise meinen heimlichen Liebling, den Tschin Gin.

Schweppes Tonic Water

Beim Schweppes Tonic Water hört ja normalerweise der Spaß bei professionellen Trinkern, oder solchen die sich dafür halten, auf. Umso erstaunlicher ist es doch, dass das Tonic Water von Schweppes immer wieder recht gut im Vergleich abschneidet. Auch wenn eine große Brand wie Schweppes wahrscheinlich darauf bedacht ist eine möglichst große Zielgruppe anzusprechen und geschmacklich niemandem wehzutun, ist das Tonic in Sachen Vielseitigkeit eine gute Alternative. Klar ist, Bitternoten spielen hier eine große Rolle und die Süße des Tonics ist mir persönlich etwas zu intensiv. Schön ist aber der hohe Kohlensäuregehalt, den man bei so manchem hippen Craft-Tonic Water vermisst. Die Kohlensäure  macht es einem recht einfach einen guten eiskalten Gin&Tonic zu mixen. Dafür bieten sich optimalerweise klassische Gins wie ein Hendricks oder der Duke Gin an.

Fever Tree Tonic Water

Ein heimlicher Favorit in der Runde! Das Fever-Tree Tonic Water war ehrlich gesagt zuvor nicht in meinem Set, wenn ich über echte Tonic Varianten nachgedacht habe. Dennoch kommt man in jedem gut sortierten Supermarkt nicht mehr an der britischen Brause vorbei. Der positive Eindruck des Fever Trees kommt aus der Balance aus Bitterkeit und Süße, die fast den Eindruck eines angenehmen Limonädchen weckt. Dazu machen sich kräuterlastige Gin-Varianten wie ein Monkey 47 oder auch der Wayfarer Gin mit seiner schönen Lavendelnote sehr gut!

Aqua Monaco Tonic Water

Meine erste Begegnung mit Aqua Monaco hat mich, um ganz offen zu sein, etwas überfordert. Die Vielfalt der Produktpalette ist schier erschlagend, jedoch hat ein Tasting der einzelnen Produkte gezeigt, dass wirklich jedes einzelne Tonic Wasser seinen ganz eigenen Charakter und Charme versprüht. Besonders gut gefielen (und gefallen) mir das Organic Herbal Tonic und das klassische Tonic Monaco, welches in keinerlei Hinsicht klassisch ist, sondern mit einer Frische und Würze überzeugt, die man bein handelsüblichen Industrieprodukten vermisst. 

Doctor Polidori's Tonic Water

Auch Doctor Polidori, die Tonic-Reihe aus dem Hause Capulet & Montague*, ist in zwei verschiedenen Ausführungen erhältlich. Neben dem würzigen und blumigen Dry Tonic bietet der Hersteller auch ein Tonic Wasser mit Gurkenaroma an. Natürliche Gurkenextrakte sorgen hierbei für eine angenehme Frische. Anders, als bei anderen Tonic Wassern mit Zusatzaroma, ist das Cucumber Tonic nicht zu süß und überdeckt so nicht die Aromen der jeweiligen Spirituose, mit der das Tonic Wasser getrunken wird. Gefällt sehr!

*Auch bekannt für den fantastischen Ferdinand's Gin aus dem Saarland

Windspiel Tonic Water

Den Abschluss macht das Windspiel Tonic aus der Dose. Leider konnte ich meine Hände nicht an eine der sehr schönen Glasflaschen bekommen, aber das tut dem Geschmack mit Sicherheit keinen Abbruch! Vorab finde ich es sehr schön, dass sich die Windspiel Manufaktur im gleichen Zuge neben dem Gin auch Gedanken zu einem passenden Tonic Water gemacht hat, denn was ist besser als eine Empfehlung direkt vom Hersteller..Geschmacklich wird das Windspiel Tonic nicht mein Favorit, passt aber dennoch sehr gut zum hauseigenen Gin. Besonders herausgestellt wird das Mineralwasser aus der Vulkaneifel. Das mag für eine gewisse Frische und Feinperligkeit sorgen und mit den verschiedenen Zitrusnoten ist auch alles an Ort und Stelle. Dennoch, und da kommt eventuell auch die Dose ins Spiel, fehlt ein Hauch von Eleganz in meinem Tonic

Das Resultat

Ich könnte jetzt sagen, dass man aus der Tonic-Entscheidung keine Wissenschaft machen muss, aber das haben wir hier nunmal gemacht. Grundsätzlich muss man sagen, dass hier kein Tröpfchen Gin oder Tonic verschüttet wurde. Einen Verlierer gibt es also schonmal garnicht! Ansonsten gilt wohl: Probieren, probieren, probieren, denn bei den Tonic Varianten gibt es auch für Gelegenheits-Trinker spürbare Unterschiede. Dabei darf man ruhig mal auf die günstigen Klassiker zurück greifen. Ein guter Gin lässt sich aber definitiv aufwerten, wenn man sich auch mal an die exotischeren Varianten wagt!

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